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4 Seiten-Kommunikationsmodell

Das Nachrichtenquadrat als Kommunikationsmodell nach Friedmann Schulz von Thun: So können Sie Missverständnisse vermeiden

 

vier ohren modell

Fast jeder hat schon mal davon gehört. Es ist ein Klassiker in jedem Kommunikations-Seminar und selbst in der Schule wird es unterrichtet. Frage ich meine Seminar-Teilnehmer im Konfliktmanagement dann wird schon gleich abgewunken „Ja kennen wir schon…“. Man könnte also meinen das Thema ist ausgelutscht. Sie werden sich jetzt fragen, warum ich diesem Modell dann trotzdem einen ganzen Beitrag widme. Genau deswegen! Anscheinend haben alle schon mal davon gehört, aber das Ganze dann wirklich auf die eigene Kommunikation zu übertragen, gelingt nur den wenigsten. Es bleibt ein lebloses Modell. Und ein lebloses Modell wird schnell wieder vergessen.

Dabei ist dieses Modell nicht umsonst ein absoluter Klassiker unter den Kommunikationsmodellen. Ist es doch plastisch und leicht verständlich und zeitgleich für jeden relevant, ob nun Angestellter, Kindergärtner, Schüler oder Führungskraft.

Also spitzen Sie Ihre „Ohren“ und wir schauen uns das Modell nochmal genauer an. Dabei ist unser Fokus darauf, wie wir das Modell konkret für uns im Alltag nutzen können und wie es uns beim Konfliktmanagement behilflich ist.

 

Das vier-Ohren-Modell oder die vier Seiten einer Nachricht

„Vater“ des Modells ist der mittlerweile pensionierte Hamburger Professor Schulz von Thun. Mit seiner Bücher-Reihe „Miteinander reden“ schuf er Klassiker einer lebensnahen und anschaulichen Kommunikationspsychologie. Aus dem ersten Teil dieser Reihe stammt auch das vier-Ohren-Modell. Die Grundannahme ist, dass jegliche menschliche Kommunikation auf vier Ebenen, also auf vier Ohren, stattfindet. In jedem Gespräch, in jeder Diskussion oder Unterhaltung gibt es einen Menschen der redet und spricht und einen Menschen, der zuhört. Der Sprecher sendet seine Nachricht auf vier Ebenen/Ohren. Der Zuhörer wiederum hört auf vier Ebenen/Ohren.

 

Die vier Ohren im Überblick

 

Sachebene „Es geht um die Sache an sich“

Hier geht es um Informationen, den sachlichen Inhalt einer Nachricht und Zahlen, Fakten. Die Sachebene ist neutral und nüchtern und dient der Informationsvermittlung.

 

Selbstoffenbarung „Was sagt der Andere über sich?“

Auf dieser Ebene geht es um Informationen, über den Sender oder Empfänger, die hinter der Nachricht stecken. Welche Aussagen über das eigene Empfinden werden mit der Nachricht gesendet.

 

Beziehung „Was sagt der Andere über mich/uns?“

Eine Nachricht kann zudem Aussagen darüber enthalten, wie Sender und Empfänger zueinander stehen und was für eine Beziehung sie miteinander haben.

 

Appell „Was will der Andere von mir?“

Der Appell beinhaltet einen Handlungsimpuls. Der Sender möchte eventuell den Empfänger zu etwas auffordern.

 

Was heißt das jetzt?

Eine erfolgreiche Kommunikation kann nur stattfinden, wenn die entsprechenden Ebenen richtig vermittelt werden und vom Zuhörer entsprechend richtig interpretiert werden.

Vielleicht kennen Sie Situationen, bei denen Sie denken „Sage mal, spreche ich Spanisch?“. Es kommt zu Missverständnissen und Ihr Gegenüber bekommt immer alles „in den falschen Hals“. Der Grund dafür liegt selten an den faktisch gesprochenen Aussagen, sondern daran, dass Sie auf einer Ebene senden, Ihr Gegenüber aber auf einem anderen Ohr hört. Durch solche Missverständnisse rutschen wir dann schnell in Konfliktsituationen. Ein Beispiel?

Sie und Ihre Partnerin sind zum Abendessen bei Freunden eingeladen. Sie sind bereits fertig, das Outfit sitzt und die Autoschlüssel in der Jackentasche. Ihre Partnerin dagegen ist seit einer guten halben Stunde im Bad verschwunden. Sie: „Wir sind für 19 Uhr eingeladen.“ Daraufhin reißt Ihre Partnerin wutentbrannt die Tür auf: „Dir ist wieder total egal, wie ich aussehe!“ Und mit einem lauten Knall fällt die Badezimmertür wieder zu.

Ich gebe zu, das Beispiel ist ein wenig Klischee behaftet. Nehmen wir noch ein anderes Beispiel.

Es ist 17 Uhr, Sie packen Ihre Sachen auf dem Schreibtisch zusammen und wollen gerade ihren Computer ausschalten, da kommt Ihr Vorgesetzter an Ihrem Platz vorbei: „Sie machen aber heute früh Feierabend.“ Langsam packen Sie ihre Sachen wieder aus, setzen sich an Ihren Schreibtisch und hängen noch eine Stunde dran.

 

Welche Ohren hören?

 

Sie können Ihre Nachricht an Ihre Partnerin auf vier Ebenen senden:

Sachebene: „Ich habe gerade noch einmal in den Kalender geschaut, wir sind 19 Uhr eingeladen.“

Selbstoffenbarung: „Wir sind für 19 Uhr eingeladen. Der Tag war anstrengend, das ist ganz schön spät für mich.“

Beziehung: „Wir sind für 19 Uhr eingeladen, aber ich vertraue Dir nicht, dass Du es pünktlich bis dahin schaffst.“

 

Ihre Partnerin wiederum kann diese Nachricht auf vier Ohren hören:

Sachebene: „Gut zu wissen. Wir sind also für 19 Uhr eingeladen.“

Selbstoffenbarung: „Es ist doch noch Zeit, anscheinend ist er schon total aufgeregt.“

Beziehung: „Das weiß ich, aber ich bin noch nicht fertig. Er kümmert sich überhaupt nicht darum, wie mir es geht und meckert nur an mir rum.“

Appell: „Ich soll mich beeilen, wir sind zu spät.“

  

In dem Beispiel hört die Partnerin stark auf dem Beziehungsohr und fühlt sich daher angegriffen. Dabei haben Sie das gar nicht bezweckt, sondern sind selber vielleicht nur müde und wollten das zum Ausdruck bringen.

 

Was bringt mir das jetzt? Missverständnisse vermeiden

Das Wissen über die vier Ohren bietet Ihnen die Möglichkeit Missverständnisse und damit konfliktbeladene Situationen im Vornherein zu vermeiden.

Dafür müssen Sie sich beim Senden einer Nachricht diese vier Seiten bewusst machen und entsprechend Ihre Aussagen eindeutig formulieren, so dass Ihrem Gegenüber klar ist, auf welcher Ebene Sie senden. So verringern Sie den Spielraum für Fehlinterpretationen. Zudem müssen Sie damit rechnen, dass eine Nachricht dennoch falsch verstanden werden kann. Hier müssen Sie aufmerksam sein und entsprechend eingreifen und sich genauer erklären.

Auch als Zuhörer sind Sie für eine gelingende Kommunikation mitverantwortlich.In der Rolle des Empfängers müssen Sie Ihre vier Ohren „spitzen“ und versuchen genau zu interpretieren. Dabei können Sie die Mimik und Gestik des Gegenübers nutzen. Im Zweifel sollten Sie nachfragen, wie Sie die Aussagen interpretieren sollen, um falsche Annahmen zu vermeiden.

Was noch? Sich selbst und andere besser kennen und verstehen

Beim Lesen der Beispiele und Erläuterungen ist Ihnen vielleicht jemand in den Sinn gekommen, mit dem es immer wieder zu Missverständnissen kommt, da derjenige beispielsweise oft auf dem Beziehungsohr hört. In der Regel hören wir nämlich nicht auf allen vier Ohren gleich gut. Je nachdem was wir für ein „Typ“ sind, was wir schon erlebt haben und je nachdem ob wir gerade als Schwester/Freundin oder als Führungskraft „hören“ sind manche Ohren stärker und andere weniger stark ausgeprägt.

Wir sollten also mal darüber nachdenken, auf welchem Ohr unsere Kollegin, mit der es immer wieder auf Grund von Missverständnissen knallt, hört. Wir können uns sehr viel Mühe geben auf der reinen Sachebene zu senden, wenn unser Gegenüber stark auf dem Beziehungsohr hört, wird es trotzdem zu Fehlinterpretationen kommen.Mit dem Wissen über die vier Ohren können wir unsere Kommunikation entsprechend anpassen.

Außerdem ist es sehr spannend sich selber zu reflektieren. Auf welchem Ohr höre ich sehr stark? Welches Ohr ist nur schwach ausgeprägt? Was ist gut daran, dass ich beispielsweise ein starkes Appell-Ohr habe und was kann daran problematisch sein? 

Fazit

Das Vier-Ohren-Modell ist berechtigter Weise ein oft zitierter Klassiker. Zeigt es uns doch plastisch wie schnell menschliche Kommunikation schief gehen und wie man es besser machen kann.


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